Vorabinformationen und Platzregeln studieren
Erkundige dich vor der Runde im Sekretariat nach lokalen Sonderregeln. Diese ergänzen die offiziellen Golfregeln und stehen meist auf der Scorekarte.
Der erste Gang auf einer fremden Golfanlage führt dich idealerweise immer direkt in das Sekretariat oder den Pro Shop. Auch wenn du deine Startzeit bereits online gebucht hast, ist das persönliche Anmelden nicht nur eine Frage der Höflichkeit, sondern eine wichtige Informationsquelle. Hier erhältst du die aktuelle Scorekarte und erfährst aus erster Hand, ob es tagesaktuelle Besonderheiten gibt. Manchmal finden unangekündigte Platzarbeiten statt, bestimmte Löcher sind gesperrt oder es herrscht temporär ein Verbot für Golfcarts.
Das Wichtigste auf einem neuen Platz sind jedoch die lokalen Platzregeln. Diese sogenannten Local Rules findest du meistens auf der Rückseite der Scorekarte oder am Aushang direkt neben dem ersten Abschlag. Sie ergänzen die allgemeinen Golfregeln und sind auf die speziellen geografischen oder architektonischen Gegebenheiten der jeweiligen Anlage zugeschnitten. Wenn du beispielsweise einen Urlaub planst und Golfplätze in Bayern besuchst, wirst du in den hügeligen und alpinen Regionen oft auf spezielle Regelungen zu unspielbaren Lagen in Steinlandschaften oder Biopsphärenreservaten treffen, die nicht betreten werden dürfen.
Achte beim Lesen der Scorekarte unbedingt auch auf die Entfernungsmarkierungen. Während auf deinem Heimatplatz die Pfosten am Fairwayrand vielleicht die Distanz bis zur Grünmitte angeben, messen andere Clubs möglicherweise bis zum Grünanfang. Solche kleinen, aber feinen Details aus den Vorabinformationen entscheiden oft darüber, ob du den richtigen Schläger wählst oder deinen Ball versehentlich ins Aus schlägst. Nimm dir also vor dem ersten Abschlag zehn Minuten Zeit, bei einem Kaffee auf der Clubterrasse die Karte zu studieren und dich mit dem Layout des Platzes vertraut zu machen. So gehst du bestens vorbereitet auf die Runde.
Die Golf-Etikette als Gastspieler einhalten
Zeige als Gast besonderen Respekt vor dem fremden Platz, indem du Divots zurücklegst und Pitchmarken auf dem Grün ausbesserst. Pünktlichkeit am ersten Abschlag ist oberste Pflicht.
Als Gastspieler repräsentierst du nicht nur dich selbst, sondern in gewisser Weise immer auch deinen Heimatclub. Eine tadellose Golf-Etikette sollte deshalb auf fremden Anlagen für dich absolute Selbstverständlichkeit sein. Das Basiswissen, das du einst in deinem Platzreifekurs erworben hast, kommt hier voll zum Einsatz. Das oberste Gebot für jeden Gast lautet: Hinterlasse den Platz so, wie du ihn selbst vorfinden möchtest – oder im besten Fall sogar noch etwas besser.
Das gewissenhafte Ausbessern von Pitchmarken auf den Grüns ist eine deiner wichtigsten Aufgaben. Auch wenn der Ball nicht deine eigene Marke verursacht hat, freut sich der Greenkeeper und jeder nachfolgende Spieler, wenn du eine zusätzliche Delle reparierst. Gleiches gilt für das Zurücklegen von Divots auf dem Fairway und das saubere Harken der Bunker nach einem Befreiungsschlag. Egal ob du auf einem weitläufigen Parkland-Kurs in Nordrhein-Westfalen oder auf einem rauen, windigen Platz an der Küste spielst: Die Schonung und Pflege der Anlage steht an oberster Stelle.
Ein weiterer, enorm wichtiger Punkt der Etikette ist die Pünktlichkeit. Kalkuliere bei der Anreise auf einen unbekannten Platz immer einen zeitlichen Puffer ein, um Parkplatz, Umkleide und Driving Range ohne Stress zu finden. Du solltest spätestens zehn Minuten vor deiner gebuchten Startzeit abmarschbereit am ersten Tee stehen. Begrüße dort deine Flightpartner freundlich, tauscht eure Handicaps aus und klärt, wer welchen Ball (Marke und Nummer) spielt. Vermeide laute Gespräche während der Schläge anderer Spieler und bewege dich auf den Grüns stets umsichtig, um nicht in die Puttlinien deiner Mitspieler zu treten.
Schnelles Spiel auf fremden Anlagen bewahren
Ein fremder Platz erfordert mehr Orientierung, was das Spiel verlangsamen kann. Lasse schnellere Flights durch und spiele im Zweifel einen provisorischen Ball, um Zeit zu sparen.
Auf einem unbekannten Golfplatz zu spielen, kostet naturgemäß etwas mehr Zeit als eine Routine-Runde auf dem heimischen Rasen. Du kennst die genauen Entfernungen nicht, weißt nicht, wo sich versteckte Bunker verbergen oder wie stark die Grüns nach dem Anspiel abfallen. Diese fehlende Orientierung führt oft dazu, dass Gastspieler unbewusst das Spieltempo verlangsamen. Ein zügiges Spiel ist jedoch entscheidend für den Spaß aller Golfer auf dem Platz.
Um den Spielfluss konstant aufrechtzuerhalten, solltest du konsequent Ready Golf anwenden. Das bedeutet ganz simpel, dass derjenige schlägt, der als Erster bereit ist – unabhängig davon, wer eigentlich am weitesten vom Loch entfernt liegt, solange es die Sicherheit der anderen zulässt. Bereite dich mental und bei der Schlägerwahl auf deinen nächsten Schlag vor, während deine Flightpartner noch spielen. Wenn dein Ball in Richtung eines Waldes, eines dichten Roughs oder ins Aus fliegt, spiele unbedingt sofort einen provisorischen Ball. Nichts verzögert eine Runde mehr, als wenn du auf einem fremden Platz minutenlang nach einem Ball suchst, nur um dann den gesamten Weg zurück zum ursprünglichen Schlagort gehen zu müssen.
Behalte außerdem stets den Flight hinter dir im Blick. Gerade auf stark frequentierten Anlagen, wie etwa stadtnahen Plätzen in Hamburg, drängt oftmals die Zeit. Wenn du merkst, dass die Gruppe hinter dir deutlich schneller spielt und mehrfach aufläuft, während ihr vor euch eine freie Spielbahn habt, zögere nicht. Lass die schnelleren Spieler bei nächster Gelegenheit durchspielen. Ein kurzes Winken an einem Par 3 reicht oft aus. So nehmt ihr den Druck aus eurer eigenen Runde und könnt das Spiel wieder entspannt genießen.
Scorekarte und Handicap-Relevanz prüfen
Kläre vorab, ob du eine vorgabewirksame Runde spielen möchtest und wie das Slope-Rating dein Playing-Handicap auf diesem Platz verändert. Trage dein Ergebnis nach der Runde in die entsprechende App oder Liste ein.
Bevor du deinen allerersten Drive auf einer neuen Anlage in den Himmel schickst, musst du eine grundlegende Entscheidung treffen: Spielst du heute eine reine Spaß- und Übungsrunde oder möchtest du, dass dein Ergebnis dein offizielles Handicap beeinflusst? Wenn du eine vorgabewirksame Runde (oft als Registered Private Round oder früher EDS-Runde bezeichnet) absolvieren willst, musst du dies zwingend vorab im Sekretariat anmelden. Eine nachträgliche Registrierung nach einem unerwartet guten Lauf ist im World Handicap System nicht erlaubt.
Jeder Golfplatz ist architektonisch unterschiedlich schwer. Das System gleicht diese Unterschiede elegant durch das Course Rating (CR) und das Slope Rating (Slope) aus. Das bedeutet, dass dein persönlicher Handicap-Index auf einem fremden Platz in ein spezifisches Playing Handicap (deine Spielvorgabe) umgerechnet wird. Auf einem besonders herausfordernden Platz bekommst du vielleicht mehr Schläge vorgegeben, als du es von zu Hause gewohnt bist, auf einem leichteren Platz entsprechend weniger. Die Umrechnungstabellen hängen meist gut sichtbar am Clubhaus oder direkt in der Nähe des ersten Abschlags aus. Notiere dir deine genaue Spielvorgabe auf der Scorekarte, damit du an jedem Loch weißt, wie viele Schläge dir zur Verfügung stehen.
Führe deine Scorekarte gewissenhaft und tausche sie vor der Runde mit einem Zähler aus deinem Flight. Nach dem letzten Putt am 18. Loch setzt ihr euch am besten kurz auf der Clubterrasse zusammen, vergleicht Loch für Loch die notierten Schläge und unterschreibt die Karten gegenseitig. Wenn du die Runde vorab registriert hast, gibst du die abgezeichnete Scorekarte im Anschluss im Sekretariat ab oder trägst dein Ergebnis in die vom Club vorgegebene Golf-App ein, damit dein Handicap korrekt aktualisiert wird.
Wenn du vor deiner nächsten Golfreise dein Wissen auffrischen oder weiter vertiefen möchtest, findest du alle nötigen Informationen auf Platzreife-Online.



